Ein großes Bestreben der Energieversorger (EVU) ist schon seit langem die "Digital Powerline", die digitale Informationen über das Stromnetz transportieren soll. Das bereits existierende Stromnetz in jedem Haus, soll den Datentransport in jedes Zimmer, über jede Steckdose ermöglichen. Lange Zeit war dieser Wunsch aber technisch nicht umsetzbar, denn im Gegensatz zum Senden von Steuerimpulsen und dem Fernablesen von Stromzählern benötigt man für die digitale Informationsübertragung eine konkurrentsfähige, schnelle und stabile Verbindung. Das Stromnetz allerdings nimmt naturgemäß keine Rücksicht die DFÜ-Anforderungen, da es primär für die Energieversorgung gedacht ist. Eine starke Dämpfung, hohe Störpegel und variierende Impedanzen sind die Probleme, die durch Lichtleitungen mit ihren Störspektren und den unverhersagbaren Lastwechseln, Haushaltsgeräten usw. verursacht werden. Des weiteren ist der durch die europäischen Normen geltende nutzbare Frequenzbereich zwischen 3 bis 148.5 KHz für eine schnelle Datenübertragung nicht geeignet.
Die kanadische Telekommunikationsfirma Northen Telecom (Nortel) und der britische Energieversorger United Utilities entschieden sich vor einiger Zeit, Forschung auf diesem Gebiet zu betreiben und die zuvor genannten Normen außer acht zu lassen. Sie entschieden sich, mit einer Transferrate von 1 MHz bis 20 Mhz Datenpakete über ein Niederspannungs-netz zu senden, und hatten Erfolg.
Was das Hochspannungsnetz betrifft, laufen schon heute an vielen Stellen Glasfaserkabel, die eine sehr hohe Datenübertragungsrate besitzen, paralell zu den Stromleitungen. Im Mittelspannungsbereich führen die auf 50 Hz optimierten Trafostationen zu Schwierigkeiten, da sie die erforderliche Sendeleistung verhindern.
Nortel und Unitede Utilities haben die Tochterfirma NOR.WEB gegründet, die die Digital-Powerline-Technologie (DPL) in Feldversuchen und Pilotprojekten erproben soll. Die digitalen Informationen werden hier in den Trafostationen von einer DPL-Zentrale in das Niederspannungsnetz eingespeist und so parallel mit dem Strom an dem Endverbraucher weitergeleitet. Mit der Übertragungsrate von 1 Mbit/s ist das DPL schneller als ISDN. Das Internet kommt hier leider noch nicht aus der Steckdose, jedoch gibt es eine Kommunikationsdose neben dem Stromzähler. Die Festellung, daß das Stromkabel ähnliche Eigenschaften aufweist, wie das sehr gut erprobte Coaxkabel, half der NOR.WEB akzeptable Übertragungsergebnisse zu erlangen. Auch die Trennug der Störquelle Hausgeräte, durch das Anbringen eines Kommunikationskasten, der die Nutzsignale vor Eintritt in die Hausanlage herausfiltert, führt zu der Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen einer DFÜ-Anlage. Durch die Verbindung von Energie und Datenversorgung, wird es möglich den Kunden einen kostengünstigen Internetzugang zu verschaffen, der die Einsatzgebiete Intranet, Videokonferenzen, Multimedia sowie die Fernsteuerung intelligenter elektrischer Verbrauch für einen breiten Markt sehr attraktiv macht.
Nach diesem Überblick muß noch erwähnt werden, daß unter diesem Gesichtspunkt die Technologien für die Hausautomatisierung unter einem ganz anderem Blickwinckel für den Dienstleistungssektor zu betrachten sind. Neue Märkte und Möglichkeiten können erschlossen werden. So könnte bei einer solchen Infrastruktur die Fernüberwachung und auch die Steuerung von elektrischen Anlagen einen Boom erleben. Wenn die Netzbetreiber in Deutschland, angefangen bei den lokalen Stadtwerken bis hin zu den EVUs, diese Möglichkeiten erkennen und die Entwicklung mit einem gewissen Nachdruck betreiben, könnten Sie für den größten Wachstum in der Informationstechnologie verantwortlich werden.
Die Betrachtungen zu dieser Einleitung entstanden aufgrund von Brainstormings und den Berichten [EIBP97] und [SAS98].